
„Ich habe Steine im Bauch.“
Schon als Kind spürte ich eine tiefe Unruhe in mir. Ich konnte oft nicht einschlafen oder durchschlafen, hatte Angst im Dunkeln, immer wieder Bauchschmerzen („Steine im Bauch“ – so sagte ich das als Kind), schnell Übelkeit, das Gefühl, mein Körper sei „zu viel“ oder „zu empfindlich“.
Funktionieren statt fühlen.
Viele Jahre suchte ich Anerkennung im Außen, passte mich an, war leistungsfähig – aber innerlich oft erschöpft. Das bemerkte ich lange Zeit gar nicht, da ich meinen Körper nicht bewohnte, sondern ihn primär pushte (Sport, Diäten, Funktionieren …) oder verurteilte. Als ich eine junge Erwachsene war, wurde mein Körper immer lauter: Ekzeme, chronischer Husten, Herzbeschwerden. Jahre später kamen Entzündungen an den Sehnen, ein Ermüdungsbruch, Osteopenie hinzu. Schlafstörungen waren mein „Normal“. Und dann waren da immer noch meine Bauchschmerzen, die irgendwann als „Reizdarm“ eingeordnet wurden. Mein Alltag war eingeschränkt und belastet, am Tiefpunkt wollte ich meinen Magen-Darm-Trakt nur noch „loswerden“.
In vielen Bereichen meines Lebens war ich sehr mutig. Ich liebte neue Erfahrungen, Reisen, Abenteuer, Spontanität. Aber die größte Angst hatte ich dort, wo es um zwischenmenschliche Beziehungen ging. Hier war ich tief verunsichert. Ich passte mich an, stellte meine Bedürfnisse zurück, verlor immer wieder den Kontakt zu mir selbst.
Ich verließ mich selbst, um dazuzugehören.
Bis ich von einem Mann verlassen wurde und in meinem Herzschmerz verstand, dass ich mich all die Zeit selbst verlassen hatte. Und so begann ich, mich ernst zu nehmen. Mir zuzuhören. Mich tiefer zu spüren. Meinem Körper und mir selbst mit bedingungsloser Freundlichkeit zu begegnen statt mit Härte. Und lernte langsam, mich selbst nicht mehr zu verlassen.🤍
Lange dachte ich, ich würde nach der richtigen Methode suchen. Nach dem einen Ansatz, der mich endlich „heilen“ würde. Heute glaube ich, dass ich etwas ganz anderes gesucht habe: eine Beziehung zu mir selbst. Eine Beziehung, in der ich mir wieder zuhöre, mir glaube und mich ernst nehme.
Dabei verstand ich, dass mein Körper nie mein Feind war, sondern mein Kompass. Und dass meine Sensitivität nie das Problem war, sondern der Weg zurück zu mir.
Aus dieser Erfahrung ist meine Arbeit entstanden. Heute begleite ich andere sensible Menschen dabei, sich selbst nicht mehr zu verlassen. Was ich weitergebe, ist gewachsen aus gelebter Erfahrung, fundierter Praxis und kontinuierlichem Lernen. Und aus dem tiefen Vertrauen, dass unsere Sensitivität nicht unser Hindernis ist – sondern unser Wegweiser.
Meine Arbeit endet nicht hier.
Sie findet auch Ausdruck in der Fotografie und im Schreiben. Die Fotografie begleitet mich schon seit ich ein Kind war – und sie ist für mich ein Zugang zur inneren Wahrheit. Oft fotografiere ich Menschen, die sich selbst noch nicht ganz sehen, um durch die Perspektive meiner Kamera einen klareren Blick auf ihre eigene Schönheit zu bekommen. Die Liebe zur Sprache ergänzt mein Wirken. Schreiben ist für mich ein Weg, Erfahrungen zu verdichten, Zusammenhänge sichtbar zu machen und dem Worte zu geben, was wir oft nur fühlen können. Daher schreibe ich nicht nur journalistische Texte und Essays, sondern unterstütze andere Menschen auch dabei, das, was sie selbst noch nicht ganz greifen können, in Worte zu fassen.
Meine Arbeit ist getragen von einer tiefen Hingabe zur Wahrheit, Sanftheit und Selbstbestimmung. Wenn du eine Öffnung in dir spürst, wenn du merkst: Da ruft etwas in mir – dann vertraue. Ich bin hier, mit offenem Herzen, ohne Wertung, auf Augenhöhe. Bereit, dir den Raum zu halten, damit du dir selbst tiefer begegnen kannst.
Vielleicht ist deine Sensitivität nicht das Problem. Vielleicht wartet sie nur darauf, dass du aufhörst, dich selbst zu verlassen und ihr wieder vertraust.