Wie du besser mit herausfordernden Beziehungen klarkommst

Es gibt Menschen in unserem Leben, die uns gut tun – und andere Menschen wiederum tun uns gar nicht gut. Da das ganze Leben Begegnung ist und wir immer und überall auf Menschen stoßen, egal ob in der Familie, im Job, in Freundschaften oder anderen Lebensbereichen, können wir nicht immer garantieren, dass wir nur von Menschen umgeben sind, die uns gut tun. Aber es gibt Tools, die uns unterstützen und uns auch gut begleiten, wenn uns das Leben fordert, wenn uns bestimmte Menschen fordern, wenn uns bestimmte Beziehungen nicht gut tun.

Beobachten, erkennen, annehmen

Der erste Schritt ist für mich immer die (Selbst-)Erkenntnis. Wenn du in bestimmten Beziehungen das Gefühl hast, dass es sich für dich irgendwie nicht richtig anfühlt, dann fang an, die Begegnungen mit diesen Menschen bewusst wahrzunehmen. Geh immer wieder einen Schritt zurück, in die Distanz und nimm die Beobachter:innen-Rolle ein: Welche Dynamik kannst du beobachten? Was passiert hier? Kannst du bestimmte Muster erkennen? Bestimmte Rollenverteilungen, die immer wieder die gleichen sind? Wer gibt den Ton an? Bist du ganz du selbst in dieser Beziehung? Oder musst du dich verstellen, damit es zu keinem Konflikt kommt? Nimm einfach wahr, welche Dynamik vorherrscht – ohne es zu bewerten. Erkenne es an, nimm es an. Wissend, dass das die Basis für alles ist, um Veränderung zu erreichen.

Nutze die Weisheit deines Körpers

Dein Körper ist so weise und schickt dir regelmäßig Signale. Du musst nur lernen, die Botschaften deines Körpers zu fühlen/hören und sie zu verstehen. Fang daher an, in deinen Körper rein zufühlen, wenn du mit bestimmten Menschen in Kontakt kommst. Wie fühlst du dich, wenn du weißt, dass du diese Person treffen wirst? Ist dein Körper entspannt oder angespannt? Wie geht es dir, wenn du mit dieser Person zusammen bist? Kannst du Verspannungen wahrnehmen? Wo nimmst du diese wahr? Ist dein Nervensystem angespannt oder entspannt? Und wie geht es dir nach einer solchen Begegnung? Fühlst du dich positiv aufgeladen oder eher kraftlos und leer? Vielleicht gar nicht ganz bei dir? Als müsstest du erst wieder zurück zu dir finden? In manchen Fällen kann es sich auch nach einer solchen Begegnung anfühlen, als müsstest du erst wieder alle Einzelteile von dir zusammenfügen, um wieder ganz zu werden. Lerne, die Sprache deines Körpers zu verstehen – du wirst daraus so viel Erkenntnis gewinnen können.

Lass dein Körpergefühl da sein

Wenn du spürst, dass es dir in deinem Körper nicht gut geht, wenn du mit bestimmten Menschen in Kontakt bist, dann bleib stehen. Lauf nicht weg, mach nicht zu, verdränge nicht. Bleib da. Bleib neugierig. Erforsche, was gerade in dir berührt ist. Wenn es dir möglich ist, lass dein Körpergefühl da sein, nimm es bewusst wahr. Manchmal haben wir schon die Kapazität, das alleine zu tun, manchmal fühlt es sich sicherer in Begleitung an. Vertraue auch hier den Signalen, die dir dein Körper gibt. Du musst dich in nichts reinzwingen, das sich überfordernd anfühlt.

Gib den Gefühlen in dir Raum

Emotionen sind Empfindungen in deinem Körper. Embodiment kann dabei helfen, bewusster mit diesen Empfindungen in Kontakt zu kommen und ihnen Raum zu geben. Das bedeutet nicht, dass jede Emotion intensiv ausgedrückt oder „rausgelassen“ werden muss. Für manche Menschen ist es heilsam, z. B. Wut körperlich auszudrücken – etwa durch Bewegung, Schütteln, Tanzen, Boxen oder indem sie in ein Kissen schlagen oder schreien. Für andere kann es hilfreicher sein, erstmal nur wahrzunehmen, was im Körper passiert, den Atem zu spüren, sich selbst zu halten oder sich langsam zu bewegen. Vielleicht hilft dir dazu auch Musik.

Wichtig ist nicht die Intensität des Ausdrucks, sondern ob du dich dabei sicher und verbunden mit dir fühlst. Dein Körper darf dir zeigen, welches Tempo und welche Intensität gerade stimmig sind. Manchmal möchte etwas in Bewegung kommen, manchmal braucht es eher Ruhe, Orientierung oder Halt. Und manchmal fühlt es sich sicherer an, all das in Begleitung zu tun. Ein Raum, in dem wir von einer anderen Person gehalten sind.

Mach dir bewusst, dass du nicht dieses Gefühl bist

Mach dir bewusst: Du bist NICHT dieses Gefühl. Das, was du gerade fühlst oder gefühlt hast, ist ein Anteil in dir, der gerade aktiv war. Aber du bist so viel mehr als diese Wut, diese Angst, diese Traurigkeit. Oder welches Gefühl auch immer gerade da ist oder gerade da war.

Geh raus aus Situationen, die dich fordern

Wenn du spürst, dass dein Nervensystem in einer bestimmten Begegnung plötzlich sehr aktiviert wird, du Stress, Unruhe, intensive Emotionen wahrnimmst und/oder dein Körper deutlich reagiert, dann erlaube dir, aus dieser Situation rauszugehen. Ja, das mag auf den ersten Blick nicht immer möglich scheinen, aber meist haben wir dazu mehr Möglichkeiten, als du jetzt gerade vielleicht denkst: Geh auf die Toilette. Sag, dass du ein dringendes Telefonat führen musst. Dass du kurz etwas frische Luft schnappen willst. Erlaube dir, in die Distanz zu gehen. Wenn du in der Distanz zu dieser Person oder diesen Personen bist, kannst du oft leichter wieder zu dir selbst finden.

Atme durch, spüre dich – und unterstütze dich selbst

Wenn du dich in einen Raum zurückgezogen hast, in dem du alleine bist, dann nimm erst einmal ein paar tiefe Atemzüge: Spüre dich, spüre, deinen Körper, der funktioniert, spüre, dass du am Leben bist, spüre die Erde unter dir. Vielleicht magst du dich einmal umschauen in dem Raum, in dem du gerade bist. Und dann, wenn du möchtest, stärke dich: indem du beispielsweise kraftvolle Yogaposen ausführst wie eine der Held:innenposen.Oder halte dich ganz bewusst, in dem du dich selbst umarmst oder dich an einer Wand anlehnst. Hab nicht den Anspruch, wieder völlig in die Ruhe zu finden. Wir können uns nicht auf Knopfdruck regulieren und das ist auch nicht das Ziel. Wenn du dich innerlich bereit fühlst, geh wieder zurück in die Begegnung. Nimm dabei allen Druck von dir. Beobachte einfach nur, ob sich etwas verändert hat und verurteile dich nicht, wenn du dich weiterhin nicht in deiner Kraft fühlst. Es muss gar nichts perfekt sein, es darf messy sein. Das Ganze ist ein Prozess und auch eine kontinuierliche Praxis, die einfach Zeit braucht.

Bereite dich auf herausfordernde Begegnungen vor

Wenn dir eine herausfordernde Begegnung bevorsteht, ein schwieriges Gespräch, eine Verhandlung oder ein Treffen mit einem Menschen, der immer wieder intensive Emotionen in dir auslöst, dann erlaube dir, dich auf diese Begegnung wie auf einen Prüfung vorzubereiten. Du bist zu Hause, gerade in deinem sicheren Raum, in deiner Kraft – und aus dieser Position heraus kannst du ganz klar für dich definieren: Was willst du kommunizieren? Wie willst du behandelt werden? Was sind deine Grenzen? Was sind deine Werte? Wo ist für dich die rote Linie? Überlege dir, wie die Begegnung verlaufen könnte, oft hast du schon viel Erfahrung gesammelt und weißt, dass bestimmte Gespräche und Dynamiken immer wieder passieren. Was ist deine Haltung? Was entspricht dir? Wie willst du agieren? Je besser du dir die Szenarien vorstellst und dir deine Reaktions- und Verhaltensweisen durchdenkst, dir überlegst, was deine Botschaften sind, die dir wichtig sind, desto souveräner wirst du dann in dieser Begegnung auch agieren. Und auch hier ist so wichtig: Es muss nicht perfekt verlaufen, es wird vermutlich auch nicht perfekt verlaufen. Aber es wird bestimmt anders verlaufen als ohne Vorbereitung. Und du wirst es dir selbst so sehr danken. Und, ganz ganz wichtig: Erinnere dich daran, dass du immer auch einem Nervensystem begegnest: Mir persönlich hilft es immer, hinzuschauen, in welchem Nervensystem-Zustand mein Gegenüber ist: Ist die Person gerade aktiviert? Angespannt? etc. – diese Erkenntnisse unterstützen mich dabei, ein wenig innere Distanz in die Situation zu bringen.

Habe ganz viel Verständnis & sorge gut für dich

Aus schwierigen Dynamiken mit anderen Menschen auszusteigen passiert wie gesagt nicht von heute auf morgen. All das ist ein Prozess, der sich langsam entwickeln darf – aber einmal mit diesem Prozess gestartet, gibt es nur mehr eine Tendenz: und zwar Richtung Besserung, selbst dann, wenn du gefühlt mal wieder einen „Rückschlag“ hinnehmen musst. Daher ist es so wichtig, dabei ganz viel Verständnis für dich selbst zu haben. Verständnis dafür, dass diese Begegnungen dich nicht kalt lassen, dass sie dich fordern. Denn dass das so ist, hat einen Grund. Du wirst in deiner persönlichen Geschichte, wenn du dir diese genauer ansiehst, erkennen können, warum dir diese Begegnungen so schwer fallen. Aber du hast Möglichkeiten, um diese Dynamiken zu verändern. Schritt für Schritt. In deinem Tempo. Und damit du auch diese fordernden Veränderungsprozesse gut durchschreiten kannst, ist Selbstfürsorge auf diesem Weg so wichtig: Tu dir selbst viel Gutes. Mach das, was dir Freude bringt. Erlaube dir bewusst, ganz viel Schönes in dein Leben zu holen. Sprich mit anderen Menschen über das, was dich belastet. Hol dir professionelle Hilfe, wenn du das Gefühl hast, du kannst und willst das alles nicht alleine schaffen. Du musst das auch nicht alleine hinbekommen. Sich Unterstützung zu holen ist niemals ein Zeichen von Schwäche – sondern immer ein Zeichen von Stärke. Und denk daran, dass du darüber entscheidest, wieviel Nähe oder Distanz du zu den Menschen in deinem Umfeld haben möchtest. Und dass du es dir erlauben darfst, Menschen um dich zu haben, die dir gut tun.

Mit meiner Arbeit begleite auch ich Menschen, die sich in fordernden Situationen befinden, mehr zu sich selbst finden und die Beziehungen zu sich selbst und zu anderen verbessern wollen. HIER erzähle ich mehr über mein Mentoring-Angebot.

Fotocredits: Romesh Phoenix