Wie du aus Müdigkeit und Trägheit aussteigen kannst

Gerade höre ich von vielen Menschen, dass sie sich müde, erschlagen und antriebslos fühlen. Mir ging es in den letzten Tagen ähnlich. Schön langsam spüre ich, wie wieder mehr Energie in mein System zurückkehrt. Ich denke, das hat viel damit zu tun, was gerade in der Welt los ist. Dass in der Ukraine ein furchtbarer Krieg herrscht. Wir werden von schrecklichen Nachrichten täglich regelrecht „erschlagen“. Es liegt so viel Schmerz, Leid und Schwere in der Luft. Und nun gefühlt noch viel „näher“ als bisher. Denn so schlimm es auch klingt, menschliche Katastrophen und Dramen passieren ja leider die ganze Zeit über. Jetzt scheinen wir alles noch viel mehr zu spüren, weil es näher ist, weil natürlich auch viel mehr Berichterstattung passiert und weil die Situation auch die Frage aufwirft, wie sicher eigentlich unser Land ist. Aber Faktum ist: Aktuell leben wir (und ich spreche als in Österreich Lebende) in einem sicheren Land. Dennoch: Zu wissen und zu sehen, was in dieser Welt passiert, geht natürlich nicht spurlos an uns vorüber. Wir spüren das. Auf psychischer Ebene, weil wir besorgt, verunsichert oder traurig sind. Auf energetischer Ebene, weil wir wir wahrnehmen, dass „etwas in der Luft“ liegt. In unserem Herzen. Und auf körperlicher Ebene, indem wir müde, erschlagen, antriebslos sind.

Aus ayurvedischer Sicht kommt – im wahrsten Sinne des Wortes noch „erschwerend“ hinzu – dass wir uns gerade in einer Zeit befinden, in der das Dosha Kapha besonders hoch ist. Die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit hat sehr viel mit Kapha zu tun. Der Frühling – Vasanta Ritu – geht laut Ayurveda von 22. Februar bis 21. April. Wir sind also gerade mittendrin.

Pack dir deinen Ressourcenkoffer

Wenn wir all das wissen und wir uns bewusst machen, warum wir uns fühlen, wie wir uns fühlen, dann haben wir gleichzeitig auch ganz viele Ansatzmöglichkeiten, um etwas zu tun, damit wir wieder mehr in unsere Kraft und Leichtigkeit kommen.

Ich selbst habe für mich Tools, auf die ich zurückgreife, wenn sich mal alles schwer und träge anfühlt. Alleine zu wissen, dass ich das habe, macht alles leichter. Ich habe mir im Laufe der vergangenen Jahre einen richtigen Ressourcenkoffer gepackt, der wie ein kleiner Zauberkasten für mich ist – und den ich immer dann auspacke, wenn ich merke, dass ich Support brauche. Viel Support kann auch von innen, aus dir selbst heraus kommen. Gleichzeitig darfst und sollst du dir aber auch erlauben, Unterstützung im Außen zu holen, wenn du das Gefühl hast, dass du alleine nicht weiterkommst. Hier ein paar Tipps, auf welche Tools und Ressourcen ich in herausfordernden Zeiten zurückgreife.

Fühle alles, was gerade wahr ist

First and for most. Für mich ist es wichtig, anzuerkennen, wie ich mich gerade fühle. Mich nicht zu verurteilen, nichts zu verdrängen. Einfach alle Gefühle da sein zu lassen, sie auch zum Ausdruck zu bringen, nichts zurückzuhalten. Das bedeutet dann auch: Weinen, wenn ich mich traurig fühle. Schreien, wenn Wut in mir ist. Oder gegen ein Kissen boxen. Auch Angst spüren, wenn ich merke, dass sie in mir hoch kriecht. Wichtig ist, dass es einen Unterschied gibt zwischen „Gefühle fühlen“ oder „ins Drama einsteigen“. Indem ich mir selbst ganz bewusst sage: „Ok, ich merke, ich bin traurig – ich werde das jetzt einfach mal fühlen.“ schaffe ich schon etwas Distanz. Denn ich weiß: Ich bin nicht meine Gefühle. Und no feeling is final. Unsere Emotionen zu spüren und da sein zu lassen, ist so wichtig, damit sie sich transformieren können. Damit auch wieder Raum für andere Gefühle entstehen kann. Denn wenn wir sie verdrängen, bleiben sie irgendwo in unserem Körper stecken. Und sie verschaffen sich früher oder später durch noch intensivere belastende Emotionen oder körperliche Beschwerden Ausdruck.

Verbinde dich mit deiner Wahrheit

Meditieren, Yoga praktizieren. All das hilft mir, um nach innen zu gehen. Um die Verbindung zu mir selbst zu spüren. Die Verbindung zu jenem Teil in mir, der immer heil, unverletzlich und voller Energie ist. Jenem Teil in mir, der nichts mit meinem Körper, meinen Gedanken, meiner Atmung oder meinen Emotionen zu tun hat. Jenem Teil in mir, der all das nur beobachtet, der frei von all dem ist. Ich spüre dann, dass ich in mir verankert bin. Dass ich mich selbst halten kann. Natürlich funktioniert das nicht gleich von Anfang an, wenn du noch wenig Erfahrung damit hast. Aber je öfter und je mehr du nach innen gehst, je öfter du dich herantastest, an das, was in dir ist, an dein wahres Selbst, an deinen Wesenskern, an die Wahrheit in dir, umso stärker wird die Verbindung werden. Und umso mehr wirst du diesen Halt in dir auch spüren können.

Geh in die Natur und spüre, dass du nicht allein bist

In die Natur zu gehen, gibt mir Kraft. Wenn ich in der Natur bin und alles ganz bewusst wahrnehme – das Rauschen der Blätter im Wind, die Geräusche der Tiere, dem Wasser in seiner Bewegung zusehe, die Erde unter mir spüre – dann weiß ich, dass ich ein Teil dieser Natur bin. Dass ich ein Teil von allem bin, dass ich die Natur bin. Dieses Wissen ist keine Weisheit, die aus dem Verstand kommt – es ist eine Weisheit, die aus dem Herzen kommt. Ich spüre dann, dass die Erde mich trägt, dass mich die Natur liebt – und dass ich ein Kind des Universums und somit niemals allein bin. Das lässt mich sicher und geborgen fühlen.

Umgib dich mit Menschen, die dich nähren

Natürlich hilft mir auch die Verbundenheit mit all den wunderbaren Menschen in meinem Leben. Mir hilft es, zu spüren, dass ich auch menschlich nicht allein bin. Mich von anderen inspirieren zu lassen und auch wahrzunehmen, dass auch ich andere inspiriere. Dass wir Lust und Freude haben, gemeinsam zu wachsen. Das Leben zu erforschen. Gemeinsam uns selbst zu erforschen. Dass wir uns weiterentwickeln und niemals stehen bleiben wollen. Achte darauf, mit wem du dich umgibst, mit wem du dich verbindest. Wähle die Menschen in deinem Leben ganz bewusst. Erlaube dir, die Energie von anderen bewusst zu spüren, wahrzunehmen, was ihre Energie mit dir macht. Erlaube dir, zu wählen. Beziehungen sind wie Nahrung für deine Seele. Wie willst du dich ernähren?

Verkörpere deine Wahrheit

Während ich früher viel reflektiert, analysiert, aufgeschrieben, gelesen, angehört habe, hilft mir heute Embodiment so viel mehr weiter. Denn: Irgendwann wollte ich einfach nicht mehr über etwas nachdenken. Ich wollte die Verstandesebene verlassen. Weil ich merkte, dass ich mit meinem Geist das Wichtigste erfasst und verstanden hatte. Und dass es nun darum ging, all das Verstandene zu verkörpern. Ins Leben zu bringen. Aus diesem Grund habe ich aufgehört, immer sofort alles analysieren und auf der Geistesebene verstehen zu wollen, wenn ich z.B. in einer Situation stecke, die mich belastet oder ich getriggert bin. Heute kann ich das in diesem Moment dann einfach da sein lassen. Und es hilft es mir so viel mehr, einfach in den Körper zu gehen, zu spüren, wie sich alles in meinem Körper anfühlt. Und das dann auszudrücken, zu verkörpern. Durch Bewegung, durch Tanz. Oft unterstützt durch Musik. Es tut dem Nervensystem so gut, nicht gegen das, was im Körper ist, anzukämpfen, sondern es – ganz im Gegenteil – ganz bewusst auszudrücken. Mich voll und ganz dem zu öffnen, was gerade da ist. Meiner Wahrheit zu öffnen – und diese zu verkörpern. Das bringt so viel Leichtigkeit in mein System.

Sei präsent

Die bekannte schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren hat es einmal so schön gesagt: „… und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“ Für mich bedeutet das, absolut präsent zu sein. Im Moment zu sein. Den Augenblick wahrzunehmen. Das ist nicht so easy, eigentlich DIE hohe Kunst. Aber wir können uns darin üben. Immer und immer wieder. Durch Achtsamkeitsübungen. Durch die Verbindung mit unserer Atmung. Durch ein „Stop“, das wir bewusst unseren Gedanken entgegensetzen. Meine Erfahrung in diesen präsenten Momenten ist: Ich bin hier. Und im Hier und Jetzt, hier in diesem sicheren Land, ist alles gut. Dann gibt es kein Sorgen über die Dinge, die in der Zukunft liegen. Oder ein Bedauern von Vergangenem. Dann ist das einzige, das zählt, die Gegenwart.

Reduziere dein Kapha Dosha

Über den Winter hat sich durch die Kälte und schweres Nahrung viel Kapha in uns angesammelt. Mit steigenden Temperaturen verflüssigt sich Kapha in der Natur (Schmelzwasser, Regen, Nässe) und in unserem Körper (Heuschnupfen, schleimiger Husten etc.). Das hohe Kapha-Dosha macht sich in der Natur aber auch positiv bemerkbar – etwa durch die vielen Blumen, die nun zu sprießen beginnen. Aus ayurvedischer Sicht ist es jetzt wichtig, auf Kapha reduzierende Maßnahmen zu setzen. Gerade dann, wenn du sehr viel Schwere, Müdigkeit und Trägheit in dir spürst, ist das sehr zu empfehlen. Konkret bedeutet das:

Befreie deinen Körper von altem Ballast: Um Kapha abzubauen, ist Bewegung sehr sehr wichtig. Das können regelmäßige kräftige Spaziergänge im Freien sein, noch besser Wanderungen oder Laufeinheiten. Auch Yoga-Einheiten mit vielen Twists, die gut zur Entgiftung sind, unterstützen deinen Körper beim Kapha-Abbau. Aber natürlich tut dir jetzt jede andere Sportart, die dich ins Schwitzen und deinen Stoffwechsel in Schwung bringt, gut.

– Stärke dein Verdauungsfeuer: Weil Agni, dein Verdauungsfeuer, gerade geschwächt ist, sammeln sich mehr Schlacken (Ama) in deinem Körper an. Daher ist es wichtig, dass deine Ernährung Kapha-senkend und Agni-anregend ist. Das bedeutet: viele Bitterstoffe und ein wenig Schärfe in deine Ernährung einbauen. Beides hilft für den inneren Frühjahrsputz. Nicht ohne Zufall sprießen jetzt in der Natur auch Kräuter, die genau die Geschmacksrichtungen bitte, herb und scharf haben, wie z.B. Löwenzahn, Kresse, Radieschen. Scharfe Gewürze regen zusätzlich den Stoffwechsel an und helfen bei der Verdauung. Jetzt ist auch die Zeit, um viel heißes bzw. warmes Wasser zu trinken. Das hilft ebenfalls beim Kapha-Abbau.

Setze auf das richtige Gemüse: Bittere Blattsalate und Gemüsearten, am besten regional, helfen dir, um Kapha abzubauen. Dazu zählen z.B. Chicorée, Karotten, Sellerie, Ruccola. Buchweizen, Gerste und Hirse sind jetzt ideale Kohlehydratlieferanten.

Mach auch einen äußeren Frühjahrsputz: Neben der inneren Reinigung hilft zusätzlich ein Frühjahrsputz im Außen, indem du also z.B. deine Wohnung wieder einmal so richtig reinigst – am besten in Kombination mit einer umfassenden Ausmist-Aktion. So baust du auch das Kapha um dich herum ab.